Meisterwerke

Wie schön und unterschiedlich

wir doch sind

Wären wir ein Blumenstrauß

fiel jede einzelne

Blume auf

Wir wollen wachsen

Blüten tragen

im Garten unsres Gärtners

strahlen

Mir fällt kein Wort ein

das nicht kitschig klingt

es muss daran liegen

dass wir wirklich schön sind

So standhaft und ehrlich

So sportlich begehrlich

So stark und so klein

So zierlich und fein

So gesprächig und fröhlich

So lieb und versöhnlich

So witzig friedevoll

So groß, so engagiert, so toll

So bunt und so geheimnisvoll

So bildhaft schön und würdevoll

So schöner noch als Blumen sind

wir Meisterwerke Gottes Kind       

Kapitän Körk – Zwischenstopp am Neckarufer

Ich habe Kapitän Körk heute in Heidelberg sehen, genauer gesagt am Neckarufer in Wieblingen. Man kann dieses Stück Landschaft vergleichen mit der Flussinsel an der die abenteuerliche Reise des Kapitän Körk einst begonnen hat.

Er hat wohl genug vom Ozean und steuert zurück zu seinen Wurzeln, dem Fluss.

Hier in Wieblingen ist sehr viel los heute. Der erste richtig warme Tag in diesem Jahr. Es wird Volleyball gespielt, Stadt Land Fluss, Musik gehört, gelesen, in der Sonne gebadet…

Nur wenige wagen bereits das Flussbad. Ich beschließe mit den Füßen rein zu gehen. Eiskalt, wie erwartet!

Ich finde einen schönen Stein, auf dem ich mich vom Kälteschock erhole und beobachte die Kinder. Da sehe ich aus der Ferne das kleine Playmobil-Schiff herantreiben. Sofort wusste ich, dass es Kapitän Körk und die Schwarze Flagge sein muss.

Ich hätte am liebsten gewunken und laut aufgeschrien, aber dann fiel mir ein, dass mich Kapitän Körk gar nicht persönlich kennt, ich bin ja nur die Erzählerin.

Damals war es Ben, der mit Kapitän Körk gespielt hat.

Fast wäre er jetzt an mir vorbei getrieben, wenn nicht dieser kleine Junge mit der blauen Cappy gewesen wäre. Mit einem Kescher zog er das Schiff an Land.

Ich konnte beobachten, wie die beiden Kontakt aufnahmen. Auch die Gummibärchen hüpften aufgeregt hin und her. Diesem Jungen mit der blauen Cappy konnten sie ihre Abenteuer anvertrauen, das sahen sie an seinem neugieren Blick.

Ich wollte auch hören was es neues zu berichten gab und ging etwas näher auf den kleinen Jungen zu. „…an der Antarktis war es für uns Gummibärchen gar nicht schön, wir waren die gesamte Zeit eingefroren. Körk konnte rein gar nichts mit uns anfangen. 3 Monate waren wir eingefroren, bis Körk endlich das Schiff klar machen konnte, um die Antarktis wieder zu verlassen…“

Mehr konnte ich nicht verstehen. Ich sah nur noch wie der Junge das Boot wieder ins Wasser setzte. Flott trieben sie davon im Wellenstrom des braunsüppigen Flusses.

Jetzt war es der Junge, der sich auf den Stein setzte. Er hob seine blaue Cappy und wedelte damit der Schwarzen Flagge zum Abschied zu.

Gesellschafts- und Konsumkritik

Ich war einmal bei Galeria Kaufhof, wegen meiner bunten Uhr, die ich so sehr mag.

Leider tickte diese Uhr nicht mehr richtig. Da ich noch Garantie für die Uhr hatte, fragte ich nach, ob ich sie umtauschen konnte.

Ich musste die Uhr erst ein paar Tage zur Prüfung dort lassen. Schließlich mussten sie sicher gehen, ob ich die Wahrheit sage und die Uhr wirklich falsch tickt.

Ich wurde angerufen und mir wurde mitgeteilt, dass ich sie umtauschen darf.

Ich freute mich darauf wieder meine bunte Uhr zu bekommen, dieses Mal richtig tickend und ganz neu.

Was dann geschah verschlug mir die Sprache. Der Verkäufer nahm eine neue Uhr, kappte die schönen nagelneuen Uhrbänder ab und befestigte stattdessen die bereits von mir abgenutzten Bänder der falsch tickenden Uhr.

Selten in meinem Leben habe ich mich in einem Geschäft so entwürdigt gefühlt. Mit einem Mal ist meine Freude auf die neue richtig tickende Uhr verloschen.

Ich fühlte mich wie der letzte Dreck. Ich bin es also nicht wert, schöne neue Uhrenarmbänder zu bekommen.

Ich ging aus dem Geschäft hinaus ohne den Verkäufer nochmal anzusehen und schämte mich.

Stellplatz mit Aussicht gesucht!

Mülltonne müsste man sein. Also versteht mich nicht falsch, ich meine nicht irgendeine Mülltonne. Ich meine diese Mülltonnen mit der schönen Aussicht. Die Mülltonnen im reicheren Wohnviertel. Die Mülltonnen, die einen eigenen Stellplatz haben, mit roter Sandsteinmauer wie das Heidelberger Schloss. Die Mülltonnen, die im Frühling die Vögel zwitschern hören und im Winter beobachten, wie die Schneeflocken auf die Dächer der Heidelberger Weststadt fallen. Ich meine die Mülltonnen, die bis zum Fernsehturm nach Mannheim sehen und die Rauchwolken von BASF in Ludwigshafen beobachten können. Ja diese Mülltonnen sehen sogar die Hügel des Odenwalds. Sie können auch durch die Dachfenster des Familienhauses hineinlinsen. Es wird also nie langweilig werden. Und irgendwann morgens kommen die coolen Jungs und Mädels in der orangenen Uniform. Im Kindergarten werden sie wie Superhelden gefeiert. Für die Mülltonnen sind sie sicher die Engel in Orange, die mit voller Superpower mit ihrem Monstertruck den steilen Berg hinauf brausen, um die Tonnen vom Müll zu befreien. Welch Heldinnen und Supermans!

Fahrradtour zur Klagemauer

Schreiben Sie ihren Dank, Ihre Bitte oder einfach das, was Sie bewegt auf einen Zettel. Heften Sie ihn anschließend an eine Leine oder falten und stecken Sie ihn zwischen die Steine.

Ich nenne sie die „Klagemauer“ in Ladenburg. In den vergangenen Wochen ist es für mich schon fast zum Ritual geworden an einem Sonntag nach Ladenburg zu radeln und zu klagen. Also das was mich bedrückt, oder wo ich denke da komme ich ohne Segen von oben nicht weiter oder auch Bitten für andere Menschen, die mir wichtig sind. Ich nehme mir einen Zettel, schreibe die Dinge auf und stecke sie in die Steinritzen.

Also mir hilfts. Auf dem Nachhause-Fahrradweg fühle ich mich schon freier als auf dem Hinweg. Manchmal höre ich auch Musik und singe laut dazu, manchmal ist mir nach auf dem Rad stehen und ich tobe mich aus auf diesem zweirädrigen Gefährt, während meine Augen die schönen Rapsfelder und Blumenwiesen aufsaugen.

Natürlich erinnert mich die kleine Klagemauer aus Ladenburg an die weltberühmte und viel größere Klagemauer in Jerusalem. Und ich bin fast schon ein bisschen stolz darauf, dass ich bereits an einem „heiligen Ort“ wie diesem gewesen bin und klagen konnte. Direkt an der Mauer bin ich damals nicht gestanden, das überlies ich lieber den orthodoxen Juden. Aber man konnte sich dort auf einem bestuhlten Bereich niederlassen. Von dort aus habe ich dann geklagt oder netter ausgedrückt gebetet. Vielleicht war ich auch für eine Sache dankbar. Wenn nicht dann sende ich hiermit nachträglich meinen Dank dafür, dass ich diese spannende und interessante Stadt erkunden und bestaunen konnte.

Lebensliebesgeschichte

Es muss nicht mehr perfekt sein

Sind die paar Kratzer

nicht auch schön?

Schön für mich ist heute anders

Mehr als das Träumen

lieb ich Realität

Und ja sie ist furchtbar

Und ja ich weiß,

dass sie quält

Und so schrecklich

sie sein kann

Sie ist die Geschichte

in der ich drin leb

Meine Geschichte

sie ist nicht wie deine

und ganz bestimmt

kein Bilderbuch

Ich hab viele Seiten gefüllt

in der es die Welt

gut mit mir meinte

und auch als ich weinte

wurde weitererzählt

Ich kann das Erzählen

nicht lassen

Man muss doch verfassen

dass jeder weiß

wie ein Mensch lebt

Man muss doch berichten

dass sie sich nichts

vormachen

Es geht nicht um das perfekte

Das hier ist das echte

Das ist die Geschichte

in der ich drin leb

Glad Påsk ! Frohe Ostern

heißt es auf der Postkarte, auf der drei Hexen abgebildet sind. Hexen und Ostern? Ja! Wer die schwedischen Lotta-filme kennt, kann sich vielleicht erinnern. Am Grün-Donnerstag verkleiden sich die Kinder als Hexen und bringen Ostergrüße von Haus zu Haus. Dafür sammeln sie natürlich Süßigkeiten. Unsere Vermieterin hat uns eine Schachtel Süßigkeiten gegeben falls Kinder an der Tür klingeln sollten, leider habe ich keine gesehen. Den Osterhasen gibt es hier nicht. Doch man bekommt von den Eltern ein großes dickes Ei gefüllt mit Allerlei.

Manche Häuser haben ihre Gärten mit bunten Federn geschmückt. Und überall blühen Osterglocken. Ich bin sehr froh, dass es hier auch Löwenzahn gibt 🙂 Nur nicht ganz so viel wie daheim 😉

„Glad påsk på dig“ ruft mir eine rauchende Schwedin im Park zu. Ich habe zu lange gebraucht um zu verstehen, dass ich gemeint war und weil mein Anfängerschwedisch noch nicht so spontan und flexibel ist, hab ich nur ein „ah…Tack“ herausgebracht. Hier kommt man sehr schnell in Osterstimmung. Unsere Vermieter haben uns Freitagabend zu einem Osterbuffet eingeladen. Ganze 3 Stunden waren wir oben und haben gegessen. Das Buffet war riesig. Es gab Garnelen auf aufgeschnittenen Eiern. Lachs mit Orangen. Herring im Senf. Roten Kaviar. Köttbullar. Kartoffelgratin und einen Kuchen, der nicht süß sondern däftig war. Außerdem zum Nachtisch, eine gelbe Torte. Das gelbe war die Marzipanfüllung drum herum, obwohl ich sonst kein Marzipan esse, war es richtig gut.

Heute am Ostermontag haben wir gefühlte 25 C° und ich habe auch schon Sonnenbrand 🙂

Image

Gänseblümchen

Auf der kurzen Reise ( naja 5 Stunden im Bus) habe ich gemerkt, dass der Frühling in Dänemark schon weiter ist als in Göteborg. Dort war der Löwenzahn schon weiß, während er bei uns in Schweden noch gelb ist. Und in Malmö habe ich aus dem Busfenster zum ersten Mal Gänseblümchen gesehen, in Göteborg noch gar nicht! Aber vielleicht wachsen die hier nicht, oder ich habe noch nicht richtig geguckt, vielleicht muss ich auch nur warten…

Ich mag dein Geräusch
beim Pflücken
mag
wie sich kleine
Mädchen mit dir schmücken

Ich mag den Geschmack
von weichem Nichts
wenn ich deine Blüten
trenne und iss

Ich mag es deine
Blüten zu zählen
Ja oder Nein
wen soll ich wählen?

Ich spür dich gern
zwischen meinen Zehen,
kann ich Barfuß
über Wiesen gehen

Ich seh dich
gern im Blumenstrauß
am liebsten doch vor
meinem Haus

Ich mag dein
weiß, dein gelb,
dein grün
dein bisschen pink
und ein Gefühl
von Sommer und zu Haus
Gänseblümchen vor dem Haus

meeresrauschen

Ich denk ich hör den Wind

es fühlt sie an wie Meeresrauschen

dabei sind es nur Maschinen

die eine neue Straße bauen

Und ich bin amüsiert

jetzt ist es also passiert

dass mich ein Bagger schon

zum Träumen bringt

Er gräbt den warmen feinen Sand

vom Strand

der angesaugt vom Wellenmeer

ganz dunkel wird und schwer

Und ich treibe leicht

auf den Wasserwellen

wie ein Blatt das nicht viel wiegt

Ich schließe meine Augen

und ich lausch dem Meeresrauschen

Was wäre wenn… (4. Geschichte)

ich eigentlich auf einem anderen Planeten hätte zur Welt kommen sollen?

Gott hat mich bestimmt perfekt ausgestattet für einen anderen Planeten, nehmen wir an es war Pluto, dem der Planetstatus von Seiten der Erde immer wieder mal aberkannt wird. Auf Pluto hätte ich bestimmt mein Leben gelebt und alles wäre am Schnürchen gelaufen. Mit meinen Talenten und Fähigkeiten wäre ich genau an den richtigen Ort gekommen und hätte genau das machen können, wofür ich entworfen wurde. Natürlich wäre ich nur mit anderen Lebewesen zusammengekommen, die mich ganz mega toll finden und mögen. Außerdem hätten meine Haare auf ewig die Farbe blond und ich würde nie krank werden, bis hier und da ein paar Kratzer oder Beinbrüche vom Spielen, aber dann musste man nur ein Pflaster draufkleben und der nächste Tag würde wieder herrlich werden. Ich geb’s zu, fast schon eine utopisch-paradiesische Vorstellung. Aber so hätte es bestimmt kommen sollen.

Was ist also schiefgelaufen, dass sich jemand wie ich auf die Erde verirrt hatte? Nun ich glaube, dass auf der Erde ganz einfach ein Platz frei wurde und Gott ist ja so verliebt in seine Erde (warum auch immer) und will jeden Platz ausgefüllt haben. Auf den Pluto kann ich später immer noch, aber die Erde ist nur für ganz wenige bestimmt. Die Erde ist ja ein sehr herausfordernder und gefährlicher Planet, manche Plutianer sind Gott vielleicht zu schade, um sie mal kurz der Erde auszuleihen. Mir hat er diesen Ausflug wohl zugetraut. Ich hoffe ihm war klar, was das für mich bedeuten würde. Wieviel Kämpfe und Prüfungen ich zu bestreiten hatte, wie viele Erdenbewohner Probleme mit mir haben und mich angreifen werden. Wie schwer mir die alltäglichen menschlichen Dinge fallen werden. Aber Gott hat sich wahrscheinlich gedacht, bei der mache ich mir keine Sorgen, die wird sich schon durchkämpfen.

Und wahrscheinlich hat er sich das bei jedem von uns so gedacht. Also lassen wir uns nicht unterkriegen und kämpfen unsere Schlachten. Außerdem gibt es ja selbst auf der Erde jedes Jahr einen Sommer mit Erdbeeren und Bananeneis.